Der Klimawandel ist da und er wird auch bleiben. Doch vom Wissen um den Klimawandel hin zu eigenen Handlungen, die das Klima schützen ist es manchmal ein langer Weg. Hier sind zahlreiche alltagstaugliche Ideen für den Klimaschutz, die sofort umgesetzt werden können.

CO2 einsparen

CO2 ist der Klimakiller Nummer 1. Das Gas entsteht bei der Verbrennung – meistens von fossilen Energien. CO2 einzusparen ist also ein effektiver Weg, das Klima zu schützen. Jedes Jahr werden ca. 36,6 Mrd. Tonnen CO2 in die Atmosphäre freigesetzt (Stand 2018). In Deutschland verbraucht jeder Mensch ca. 11,6 Tonnen CO2, klimaverträglich, so das Umweltbundesamt wäre eine Tonne.Nach einer neuesten Studie von Oxfam werden alleine 52% der jährlichen CO2-Emissionen von den reichsten 10% der Menschen verursacht. Und Achtung: Global betrachtet gehören wir Deutschen allesamt zu den reichsten 10% der Erde. Also Grund genug, sich um seinen CO2-Fußabdruck zu kümmern.

Bestandsaufnahme des eigenen CO2 Footprints

Bevor es losgeht, empfiehlt es sich, den eigenen CO2-Fußabdruck zu ermitteln. Also herauszubekommen, wie viel CO2 pro Jahr auf das persönliche Konsumkonto gehen. Da die gängigen CO2-Rechner den CO2-Ausstoss nach Lebensbereichen aufschlüsseln, kann man direkt sehen, in welchen Bereichen man selbst die größten Einsparpotenziale hat. Das ist für die ersten Schritte im Alltag ein guter Kompass.
Brauchbare CO2-Rechner sind z.B.

  • Der CO2-Rechner des Umeltbundesamtes. Hier lassen sich die eigenen Berechnungen auch anonym speichern und später noch einmal aufrufen und aktualisieren. Der Fragebogen benötigt etwas Zeit (ca. 10 bis 20 Minuten), ist dafür auch relativ genau und identifiziert die Chancen in den unterschiedlichen Lebensbereichen.
  • Der CO2-Rechner von Quarks (WDR) hat sich auf die Mobilität spezialisiert – also Auto, Flugzeug & Co.

Mit CO2-Sparmaßnahmen beim Wohnen das Klima schützen

Grundsätzlich gilt: Je weniger Wohnfläche, desto besser ist es natürlich für die eigene Klimabilanz. Wer jedoch nicht gleich in ein Tiny-House einziehen möchte, der kann folgende Maßnahmen in Erwägung ziehen. Heizen schlägt mit ca. 15% des gesamten CO2-Ausstosses zu Buche. Dementsprechend kann man hier besonders viel einsparen. Weitere 7% der CO2-Bilanz kommen aus dem Thema „Stromverbrauch“.

  • Wer regelmäßig stoßlüftet, sorgt für niedrigeren Energieverbrauch beim Heizen und spart somit nicht nur Geld, sondern auch CO2 ein. 3 bis 4 mal täglich sollten die Fenster ganz(!) geöffnet werden, am besten mit Durchzug. Die Lüftungszeit variiert mit den Jahreszeiten und beträgt im Herbst ca. 10 bis 20 Minuten bzw. im Winter ca. fünf Minuten. Wichtig: Beim Lüften die Heizungsthermostate ausschalten. Sonst arbeiten die Heizungen gegen das Lüften an. Nachdem die Fenster geschlossen wurden, kann die Heizung wieder eingeschaltet werden. Auf diese Weise lassen sich leicht mehrere hundert Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen.
  • Biogas statt Erdgas zum Heizen nutzen. Biogas ist im Vergleich zu Erdgas klimaneutral, weil durch Biogas-Verbrennung die Menge an CO2 freigesetzt wird, die zuvor von den Pflanzen und Abfällen „gespeichert“ wurden. Man kann Biogas als Beimischung zu seinem Erdgas dazubuchen oder auch 100% Biogas beziehen, z.B. bei Naturstrom.de
  • Einsatz von stromsparenden LED-Lampen. LED-Lampen kosten mittlerweile nicht mehr viel und bringen bis zu 80% Stromersparnis. Das macht sich relativ schnell bemerkbar bezahlt und schont nachhaltig die Umwelt.
  • Wechsel auf echten Ökostrom. Echter Ökostrom beinhaltet z.B. eine Reinvestition in regenerative Stromerzeugung und ist nicht an anderen Stromquellen herkömmlicher Art beteiligt (z.B. Kohle oder Atomkraft).
  • Nur kurz Duschen und beim Einseifen das Wasser abstellen. Wer auf diese Weise duscht, spart über das Jahr noch einmal CO2 ein. Alternativ oder auch zusätzlich kann man ein Wassersparmodul in die Brause einbauen.
  • Streaming belastet das Klima. Da müssen wir jetzt alle ganz tapfer sein… Warum das so ist, kann man auf utopia.de nachlesen. Viele Verbesserungen müssen bei den Streaminganbietern selbst passieren (z.B. in den Rechenzentren, die die Videos und die Musik vorhalten). Doch auch wir können etwas verbessern: So können wir häufig gehörte Musik auf das Gerät runterladen – und das am Besten im WLAN (weil energieeffizienter als LTE).
  • Beim Wasser kochen für den morgendlichen Tee nur soviel Wasser kochen, wie man wirklich benötigt. Wer kaltes Wasser aus der Leitung mit Ökostrom im Wasserkocher aufheizt, tut mehr für die Umwelt, als wenn man heißes Wasser (Gastherme) aus der Leitung holt und dann weiterkocht.

Das Klima schützen bei der Mobilität

Das Klima lässt sich besonders gut bei der eigenen Mobilität schützen. Immerhin ist der motorisierte Individualverkehr zu einem nicht unerheblichen Teil am CO2-Footprint beteiligt.

  • Rad statt Auto fahren: Wer seine Arbeitsstelle innerhalb weniger Kilometer erreichen kann, sollte sich überlegen, mit dem Rad zu fahren und das Auto stehen zu lassen. Das spart nicht nur CO2, sondern auch Geld und verbessert die eigene Gesundheit. Wer beispielsweise jeden Tag 20 km mit dem Rad zur Arbeit fährt, spart ca. 3,3 kg CO2 täglich ein. Bei 220 Arbeitstagen sind das immerhin schon ca. 730 kg CO2 jährlich. Wer es selbst genau für seine Strecke wissen möchte, kann hier nachrechnen: https://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de/hamburg/co2rechner.php
  • Carsharing: Wer in der Stadt wohnt und nur selten ein Auto benötigt, ist möglicherweise mit Carsharing oder Taxi besser bedient als mit dem eigenen Auto, welches hohe Fixkosten hat und viel Wert bindet.
  • Auf längeren innerdeutschen Strecken hilft Bahn fahren, um CO2 einzusparen. Wenn man die Zeit von Haustür zu Haustür betrachtet, ist je nach Strecke die Bahn vergleichbar mit dem Flugzeug. Man müsste ja immerhin auch noch zum Flughafen fahren, einchecken, durch die Sicherheitsschleusen etc. Diese Zeit lässt sich in der Bahn auch noch produktiver nutzen.
  • Manchmal lassen sich Flüge nicht vermeiden. Dann empfiehlt es sich, den CO2-Ausstoss dieses Fluges zumindest zu kompensieren. Ein von der Stiftung Warentest empfehlenswertes Portal dafür ist Atmosfair. Einfach die Flugstrecke und die Fluglinie in den CO2-Rechner eingeben und den Betrag überweisen. Atmosfair sorgt dafür, dass das Geld für Projekte investiert wird, die CO2 binden. Wohlgemerkt: CO2 vermeiden ist immer besser als CO2 zu kompensieren.

Klimafreundlicher Konsum

  • Regional einkaufen. Wer regional einkauft, schon das Klima durch kurze Transportwege und saisonal verfügbare Produkte, die nicht aufwändig mit Pestiziden, Energie und Wasser „gegen die Jahreszeit“ angebaut werden.
  • Ramschläden mit Gimmicks etc. meiden. Mal ehrlich: Wer braucht die batteriebetriebenen Rückenkratzer, die Scherzschürze oder den Mini-Tischkicker für den eigenen Schreibtisch, der nach drei Wochen eh entweder total uninteressant geworden oder kaputt gegangen ist? Eben. Also am besten gar nicht erst kaufen, denn diese Läden wie Flying Tiger, Nanu Nana, Ein-Euro-Läden etc. leben vom schnellen Konsum und damit leider auch auf Kosten unseres Planeten. Anfragen nach der Plastikstrategie blieben von diesen Unternehmen leider unbeantwortet. Die Unternehmen wissen wahrscheinlich, wieso sie besser dazu schweigen als sich um Kopf und Kragen zu reden.
  • Langlebige Konsumgüter kaufen: Wer z.B. eine neue Haushaltsschere benötigt, kann diese entweder beim Ein-Euro-Laden kaufen oder gleich in hochwertiger Qualität und dann mit langer Lebensdauer. Billig gekauft ist meistens doppelt gekauft und das ist doppelt schädlich für die Umwelt.
  • Bekleidung fair kaufen, z.B. von Marken wie Armed Angels, Knowledge Cotton Apparel o.ä. Neben regionalen Geschäften vor Ort bieten mittlerweile auch große Online-Anbieter die Filtermöglichkeit nach ökologischen Gesichtspunkten. Denn die Textilindustrie ist eine der schmutzigsten Industrien weltweit und für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als Flugverkehr und Schiffstransporte zusammen! Von den unglaublichen Pestizid- und Gifteinsätzen bei der Weiterverarbeitung ganz zu schweigen. Dementsprechend sollte man sich fragen, ob man wirklich alle zwei Wochen neue Klamotten bei Zara oder H&M kaufen sollte.

Klima schützen durch Plastik reduzieren

Der Plastikeinsatz im täglichen Leben ist mittlerweile zu einer erheblichen Belastung für den Planeten geworden. Jeder Jahr werden ca. 400 Millionen Tonnen Kunststoff neu hergestellt und ca. 12,7 Millionen Tonnen davon landen jährlich im Meer. Die Spitzenreiter bei dieser Vermüllung machen dabei die Verpackungskunststoffe aus. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Einkaufsplastiktüte ist dabei erschreckend gering und reicht manchmal gerade für wenige Minuten.

Plastik im Badezimmer reduzieren

  • Statt Duschgele und Shampoos in Plastikflaschen und -tuben feste Seifen verwenden. Das gilt sowohl für die Handseife am Waschbecken als auch für die Dusche. Mittlerweile gibt es ein vielfältiges Angebot
  • Zahnpasta aus Metalltuben beziehen oder Zahnreinigungstabletten kaufen. Diese kann man zerkauen und anschließend seine Zähne putzen.
  • Es gibt mittlerweile viele Zahnbürsten aus Holz (Buche oder Bambus). Die Borsten sind weiterhin aus Plastik, dennoch wird insgesamt sehr viel Plastik eingespart.

Plastik beim Einkaufen reduzieren

  • Ersetze einfache Plastiktüten durch Mehrweg-Tragetaschen, z.B. aus Baumwolle. Selbst hochwertige Mehrweg-Tragetaschen aus Plastik sind am Ende besser als Einweg-Tüten.
  • Wer auf dem Wochenmarkt oder in Unverpackt-Läden einkauft, kann viel Verpackung sparen. Stattdessen landen die Waren wie Obst und Gemüse direkt in der Mehrweg-Tragetasche. Guter Nebeneffekt: Meistens sind die Waren auf dem Wochenmarkt oder dem Hofladen sehr regional und daher auch besser in der CO2-Bilanz als so manches „Flugobst“.
  • Portionsgrößen meiden, diese sind oft zusätzlich in Plastik verpackt. Das gilt auch für sog. Convenience-Produkte wie fertig geschnittener Salat oder fertig produzierte Sandwiches. 
  • Mehrweg aus Glas einsetzen bzw. generell Glas statt Plastik. Das gilt natürlich besonders für die PET-Flaschen aus dem Discounter. Diese werden mit hohem energetischen Aufwand produziert und landen nicht selten als sekundäres Mikroplastik in der Umwelt.
  • Eigene Dosen mit zur Käse- und Wursttheke nehmen statt Einwegverpackungen im Kühlregal erhalten.
  • Wer findet, dass bestimmte Produkte in zu viel Plastik eingepackt sind, kann sich mit der Replace Plastic App an die Hersteller wenden. Einfach das Produkt einscannen und den Organisatoren melden. Diese bündeln die Anfragen der Konsumenten und reichen die Veränderungswünsche an die Hersteller der Produkte weiter.

Weitere Maßnahmen, um Plastikmüll zu vermeiden

  • Beim Essen abholen auf Plastiktüten verzichten bzw. kein Lieferessen bestellen.
  • Auf Strohhalme und anderes Wegwerfgeschirr verzichten. Alleine in der EU werden jährlich mehr als 23 Mrd. Plastikstrohhalme verbraucht und weggeworfen. Andere Schätzungen gehen alleine in Deutschland von über 40 Mrd. Strohhalmen jährlich aus. Viele davon landen im Meer. Wer Strohhalme nutzen möchte, findet mittlerweile viele gute Plastikalternativen, z.B. in Form von Edelstahlstrohhalmen.
Verbrauch von Plastikstrohhalmen (Quelle: Statista)

  • Die App CodeCheck verwenden. Mit dieser App lassen sich beim Einkauf Produkte jeder Art scannen und man erfährt, ob bedenkliche oder gar gefährliche Stoffe in den Produkten enthalten sind.
  • Beim Waschen von Plastiktextilien den Guppyfriend nutzen, um Plastikabrieb abzufangen. Dieser kann dann nicht mehr ins Meer gelangen. Pro Jahr lassen sich so einige Kilogramm Mikroplastik eliminieren. Textilien sind zu 35% am gesamten Mikroplastik-Eintrag in die Weltmeere beteiligt, gefolgt von Autoreifenabrieb (28%).