Das menschliche Gehirn

Positives Sprechen, also die Verwendung positiver Formulierungen kann im Alltag Wunder bewirken. In meinem Artikel „Lösungsorientiert kommunizieren statt Probleme besprechen“ erläutere ich die vorteilhaften Folgen optimistischen Handelns. Ein Aspekt positiven Handelns ist die Verwendung eines positiven Wortschatzes, der aus psychologischer Sicht große Bedeutung hat. Positiv reden ist wertvoller als man denkt.

Allzu oft wird unsere eigene Sprache und die unserer Mitmenschen von negativen Wörtern und Formulierungen geprägt. Ein paar Beispiele gefällig? „Ja, aber…“, „So geht das nicht“, „So würde ich das nicht machen“ „Das ist schwierig und problematisch“ usw. Doch es geht auch anders! Und es ist gar nicht so schwer.

Wir alle tendieren zu einem durch und durch negativen Wortschatz – zu einer negativen Sprache. Das Problem damit ist, dass psychologisch gesehen mit jedem verwendeten negativen Begriff eine sog. Bahnung (Priming) einsetzt. Wer häufig negativ redet, wird auch weniger Positives erreichen. Eben weil man von seiner negativen Sprache beeinflusst wird. Daher empfiehlt es sich, durchaus ein wenig auf seine eigene Sprache zu achten, wie ich finde. Welche Effekte sich durch eine positive Sprache ergeben, zeigt auch dieses Video. Ist zwar schon etwas älter, aber immer noch genauso gültig.

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Es ist mittlerweile sogar erwiesen, dass negative Formulierungen sich auch körperlich leistungsmindernd auswirken. Wer also ständig von „Problemen“, „schwierigen“ Situationen und ähnlichem spricht, der kann einfach keine Spitzenleistung bringen.

Positiv reden – negative Formulierungen vermeiden

Wenn man mal beim Duden nach den am häufigst verwendeten deutschen Begriffen sucht, dann kommt man schnell auf das Wort „nicht“. Seit frühester Kindheit werden die meisten Mitmenschen mit diesem Wort konfrontiert.

Die häufigsten Wörter in der deutschen Sprache
Die häufigsten Wörter in der deutschen Sprache laut Duden. Mit dabei u.a. die Worte „nicht“ und „aber“. Quelle: eigener Screenshot.

Wenn ich mich meinen Mitmenschen zuhöre – und auch so manches Mal mir selbst – höre ich noch eine ganze Menge anderer negativer Begriffe, die manchmal nur dahergesagt sind, manchmal aber auch schon eine Einstellung zu sein scheinen:

  • „Da sehe ich ein Problem.“
  • „Nicht so.“
  • „Das geht (so) nicht.“
  • „Ja, aber…“
  • „Das ist schwierig.“
  • „Muss das sein?“
  • „Das ist problematisch.“
  • „Unmöglich!“
  • „Das ist schlecht.“
  • „Das ist immer so gewesen.“
  • „Das sehe ich kritisch“ usw. usw.

Ich bin sicher, ihr kennt noch eine ganze Menge mehr solcher Ausdrücke. Wer mit einer (guten) Idee um die Ecke kommt und dann solche Sprüche anhören muss, der ist bedient.

Wer Kinder hat, bekommt bei solchen Ausdrücken schnell den rhetorischen Spiegel vorgehalten. Da steht man dann als Elternteil vor dem Nachwuchs und fragt sich gegenseitig: „Wer von uns sagt das denn immer?“ Ich persönlich bin daher dabei, mir solche wenig konstruktiven Begrifflichkeiten abzugewöhnen. Das ist manchmal gar nicht so leicht – aber jedes Mal wird es etwas leichter. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt sich auf seine Sprache zu achten. Ich suche nun aktiv nach positiven Formulierungen und stelle fest, dass ich dadurch so manches Mal einer konstruktiven Lösung des Problems der Herausforderung schneller näher gekommen bin, als ich es mir je erwartet hätte. Mittlerweile wird es schon zu einer echten Grundeinstellung. Und diese überträgt sich auch auf viele andere Sichtweisen. Ich versuche, das Positive an meinen Mitmenschen und den Situationen zu sehen, anstatt mir das Maul zu zerreißen, was mich alles stört.

Sag‘ was du willst – formuliere es positiv

Wer Kinder hat, kennt das: „Tu dies nicht.“ „Lass‘ das bleiben.“ „Nein, so nicht.“ usw. Wenn man mal ehrlich ist: Diese Formulierungen wählt man, weil man eigentlich etwas anderes von den Kindern (Mitmenschen, Kollegen, Nachbarn, Freunden usw.) möchte. Ein besserer Vorschlag, den ich selbst auch immer mehr ins Bewußtsein rücke: Sag‘ was du willst und nicht, was du nicht willst. Formuliere es also positiv. Wenn ich nicht möchte, dass mein Kind bei 5°C draußen mit Wasser spielt, dann kann ich auch sagen: „Spiel doch bitte in der Sandkiste“ anstatt zu sagen: „Spiel nicht mit dem Wasser!“ Diese Art der Kommunikation finde ich sehr positiv und darüber hinaus auch lösungsorientiert. Denn wer sagt, was er möchte (und nicht, was er nicht möchte), hat bereits über Lösungen nachgedacht und entwickelt Alternativen. Ein großer Pluspunkt – auch für andere Lebensbereiche. Das ist übrigens ein großer Punkt in der lösungsorientierten Kommunikation.

Rosarote Brille oder was?

Um es mal deutlich zu sagen: Ich plädiere hier nicht für eine verklärte Sicht auf die Realität in der man immer „Hurra, alles ist positiv!“ ruft. Das ist es nämlich nicht. Ich plädiere aber für einen konstruktiven und optimistischen Blick auf die Realität. Denn Realität wird auch immer von einem selbst geschaffen. Und wer positiv unterwegs ist, macht die Realität etwas positiver als sie vorher war. Just my two cents!

Ein sehr interessanter Artikel, der noch viele weitere positive Effekte einer positiven Denkweise und Sprache bietet, findet sich hier von Dr. Rolf Merkle.

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