Winter in Dangast

Kaiser Butjatha in Dangast
Kaiser Butjatha in Dangast

Winter in Dangast – ein Ort der Gegensätze, Unterschiede und Zwiespälte Eigentlich nicht wirklich schön im Sinne des Nordseebäder-Verständnisses, dennoch erwischt man sich immer wieder, dort hinzufahren. Vielleicht eben deshalb, weil dieser Ort so anders aussieht wie die anderen Nordseeorte. Der Ort hat Charakter und Kanten. Hier treffen sich Biker, Familien, Touristen und Reiche und Schöne (und solche, die sich dafür halten). Was macht man nun in diesem Ort? Eines vor allem: Das alte Kurhaus besuchen und den legendären Rhabarberkuchen essen.

Parken in Dangast – manchmal eine Geduldsprobe

Zunächst einmal muss man zum Parkplatz am Strand kommen. Das ist für normale Autofahrer, die auch in Hamburg oder München fahren, eine Geduldsprobe: Ein Rentnergolf nach dem anderen fährt vor einem auf Schleichfahrt. Tip: Einfach mal flott überholen (auch innerorts – ich garantiere, die erlaubten 50 km/h werden auch beim Überholen nicht überschritten werden), dann haben die Leute hinterher ein Gesprächsthema über die rücksichtslosen „jugendlichen“ Autofahrer, die sich sicherlich nächsten Samstag volltrunken nach einem Discobesuch totfahren werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten, in Dangast zu parken: Gleich nach der Ortseinfahrt kann man sich links halten und an ein paar Wiesen vorbei zum Hafen von Dangast fahren. Dort findet sich in unmittelbarer Nähe eine Wiese, die als Parkplatz fungiert. Wer lieber Richtung Campingplatz fahren möchte, hält sich geradeaus und fährt bis zum Ende des Ortes durch. Alternativ lässt sich kurz vor dem Ende von Dangast auch links abbiegen und man versucht, einen der raren Parkplätze direkt vor dem Kurhaus zu ergattern. Das funktioniert meistens nur Samstag Vormittag.

Winter in Dangast

Hat man den Parkplatz erreicht (in meinem Falle war es der Parkplatz bei den Campingplätzen), hat man die Wahl, ob man sich zunächst rechts am Strand halten möchte (im Winter ist auch keine Strandgebühr fällig) oder ob man gleich nach links Richtung Altes Kurhaus geht – an einem Campingplatz kommt man so oder so vorbei…

Winter in Dangast: Deutsche Urgemütlichkeit in Reinkultur, der Gartenzaun wurde mitgenommen
Winter in Dangast: Deutsche Urgemütlichkeit des Campingplatzes in Reinkultur, der Gartenzaun wurde mitgenommen

Da Dangast am Jadebusen liegt, kann man auf der anderen Seite bei guter Sicht die Marine- und Hafenstadt Wilhelmshaven sehen. Ob dabei allerdings echte Seefahrerromantik aufkommt, darf mal gerade bezweifelt werden.  Die Stadt ist meines Erachtens nach dem letzten Weltkrieg in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen, dürfte aber jetzt durch den geplanten Jadeport neuen Auftrieb bekommen und Hamburg bei der Abfertigung von Großcontainerschiffen ernsthaft Konkurrenz machen. (Kurzer Einschub: Nun nach ca. acht Jahren hat sich herausgestellt: Der Jade-Weser-Port ist keinesfalls eine ernstzunehmende Konkurrenz für Hamburg geworden).

Blick vom Strandufer in Dangast auf Wilhelmshaven
Blick vom Strandufer in Dangast auf Wilhelmshaven

Wenn man sich vom Parkplatz aus gesehen links hält, kommt man unweigerlich irgendwann zu einer Location, die die Leute magisch anzuziehen scheint – wie sonst sind die Pilgermassen zu erklären, die man sonst nur in Lourdes oder Mekka beobachten kann? Es handelt sich bei dieser Pilgerstätte um das alte Kurhaus in Dangast, wobei das Adjektiv „alt“ eigentlich überflüssig ist – etwas Neues gibt es in diesem Strandabschnitt überhaupt nicht. Daher ist auch Vorsicht geboten, wenn man zum ersten Mal nach Dangast fährt: Nicht jedes alte Gebäude ist das Kurhaus – man kann auch in der Dangaster Strand-Klause stranden.

Das alte Kurhaus in Dangast

Das Kurhaus selbst ist wohl der Grund, warum man regelmäßig nach Dangast fährt, auch wenn es einem zunächst wie ein Rätsel erscheint: Das Ding sieht von außen und von innen total schraddelig aus, die Einrichtung könnte von einem DDR-Sperrmüll kommen und auch die Art und Weise der Kuchenbestückung erinnert mehr an eine Warteschlange in der DDR als an einen standardisierten Kurhaus-Betrieb. Man steht nämlich für Kuchen und Getränke an und wird nebenbei immer wieder zu Seite geschubst, wenn die Leute durch die Schlange von einem Raum in den nächsten wollen – vornehmlich zur Toilette, um den Kaffee wieder zu verklappen. Der Kuchen und die Getränke sind aber nun genau das alles wert. Alles selbstgebacken und richtig lecker. Bezahlt wird natürlich direkt am Verkaufstresen. Anschließend sucht man sich einen freien Platz – gerne auch bei fremden Leuten am Tisch und mümmelt vor sich hin. Die Räume tragen zu der einzigartigen Atmosphäre sehr gut bei – und spätestens hier möchte man gerne ein zweites Mal wiederkommen.

Das alte Kurhaus in Dangast an einem Sonntag zwischen den Jahren
Das alte Kurhaus in Dangast an einem Sonntag zwischen den Jahren

Penis und Dangast – das gehört zusammen

Wenn man dann satt ist, kann man noch an den unter dem Kurhaus gelegenen Strandabschnitt spazieren gehen. Dieser ist nahezu vollgestellt mit Kunstwerken hiesiger Künstler. Am bekanntesten dürfte dabei der riesige Penis aus Stein sein. Ja, ich habe gerade wirklich „Penis“ gesagt – jedenfalls war das die Antwort auf die Frage eines Freundes, der die Location und das Kunstwerk noch nicht kannte. An diesem Teil spielen sich immer wieder auch unfreiwillig komische Szenen ab, so wie diese hier, deren Zeuge ich gestern werden konnte:
Mann geht zu dem mannshohen Penis, fasst an und ruft seiner Frau zu: „Du Helga, komm‘ mal her, fass mal an!“ Jaja, dachte ich mir dabei, so etwas großes hatte die Dame bestimmt noch nicht in der Hand – jedenfalls nicht bei ihrem Typen…

Penis in Dangast
Der Penis in Dangast vom Oldenburger Künstler Eckart Grenzer. Die 3,20 Meter hohe Skultpur nennt sich „Begegnung der Geschlechter“. Zweimal am Tag trifft der Phallus auf das weibliche Meer.

Wer in Dangast wirklich lebt, hält Oldenburg wahrscheinlich für eine pulsierende Metropole und dürfte genügend Energiereserven im Laufe der Zeit angespart haben, um auf irre Ideen zu kommen, so wie die drei Wassersportler, die am 30.12. bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Trichter gekommen sind, ein wenig Kite-Surfen zu betreiben. Naja, den Fotografen freut’s und über Dangast gibt es wieder etwas interessantes zu berichten.

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Alles in allem lohnt sich also ein Besuch in Dangast – und im nächsten Jahr werde ich sicherlich das ein oder andere Mal wiederkommen.