Tante Emma lebt – Social! Local! Mobile?

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Bei uns im Stadtteil gibt es auf einer Straßenlänge von ca. 1,5 km einen Lidl, einen Aldi, einen Netto und ein Irma wird auch gerade noch gebaut. An Unterversorgung mangelt es also nicht. Und mittendrin steht ein altmodisch eingerichteter Sparmarkt mit drei bis vier älteren, sehr zuvorkommenden Damen. Auf den ersten Blick wirkt dieses „Relikt vergangener Zeiten“ in dem Sperrfeuer der Discounter deplatziert. Doch der Eindruck täuscht gewaltig. Auch und gerade in Zeiten von eCommerce und Smartphones haben Tante Emma Läden ihre Berechtigung. Eine Liebeserklärung.

„Guten Abend Herr Bluhm, wenn Sie nachher an die Kasse kommen, gebe ich Ihnen die aktuelle Harvard Business Manager – für Sie zurückgelegt.“ So werde ich häufig begrüßt, wenn ich den Laden betrete. (Nur am Rande bemerkt: alleine die Tatsache, dass der kleine Lebensmittelladen die HBM hat, zeigt wie gut das Geschäft sortiert ist.) Die Gänge sind eng gestellt und neben den Putzmitteln stehen die aktuellen Saisonartikel wie z.B. zu Silvester Glücksschweine aus Marzipan und Schornsteinfeger aus schwarzem Pfeifendraht. Von allem – auch exotischen Gewürzen ist etwas da. Was man nicht bei Aldi bekommmt: Hier gibt es das. Dabei ist dieser Tante Emma Laden alles andere als nur der Laden für die Nische. Das beweisen auch die zahlreichen Kunden. Und das sind bei weitem nicht nur die Senioren, die aus reiner Gewohnheit kommen würden. Das Geheimnis ist die persönliche Beziehung in Kombination mit konsequenter Service-Ausrichtung.

Tante Emma ist Social
Die freundlichen Verkäuferinnen kennen so ziemlich jeden Kunden mit Namen. Und nicht nur das: sie merken sich auch die persönlichen Bedürfnisse und das soziale Umfeld. Da werden die Kinder mit einem Lolly bedacht und man erkundigt sich nach dem Wohlbefinden – und das durchaus ernst gemeint, nicht nur als Floskel. Soziale Beziehungen spielen also eine große Rolle. Darin spiegelt sich auch der Servicegedanke wider: die Beratung ist kompetent und wenn mal ein Artikel nicht vorrätig ist, wird dieser schnell besorgt. Dies erhöht ganz nebenbei die Kundenbindung, denn auf diese Weise bleiben die Kunden dem Geschäft treu und gehen nicht in eine andere Einkaufsstätte.
Moderne CRM-Systeme versuchen, die Empfehlungen durch das bisherige Kaufverhalten nachzubilden und einigen (wie z.B. Amazon gelingt das auch sehr gut). Häufig wird in diesem Zusammenhang auch vom sog. „Tante Emma Prinzip“ gesprochen. Ich persönlich freue mich jedoch mehr über eine echte persönliche Empfehlung als eine maschinengenerierte. Von daher glaube ich daran, dass der sympathische Laden noch lange Bestand haben wird.

Tante Emma ist Local
Keine Frage: Der Tante Emma Laden um die Ecke sowas von Local. Kein eCommerce, keine App. Allenfalls könnte ich den Damen noch empfehlen, sich das zim Geschäft gehörende Google Places Profil vorzunehmen und zu pflegen. Aber wozu? Würde das wirklich noch mehr Kunden bringen? Denn das Geschäft ist in der näheren Umgebung bekannt und der Service ebenfalls. Lokal ist der Markt vor allem wegen seines Lieferdienstes bekannt, der es vielen Menschen leichter macht, den Einkauf zu erledigen.

Ist Tante Emma Mobile?
Hier fällt mur nun wahrlich nichts zu ein. Andererseits: Muss es das? 😉 Wer eine Idee hat, möge sie in den Kommentaren schreiben.

PS: Es handelt sich um den Frerichs-Markt an der Alexanderstrasse 340. Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag 7:00 bis 20:00 Uhr. Das ist echter Service.
PPS: Leider schließt der Frerichs nun mit der Eröffnung des Irma-Marktes doch. Wenn man sich die Firmengeschichte vin Irma anschaut, wird man lesen, dass die Familie Frerichs auch hier Eigentümer ist. Ein Schelm…

Ein Gedanke zu „Tante Emma lebt – Social! Local! Mobile?

  1. Gut, es mag in Mainz ähnliche Läden wie in Oldenburg geben. Ich habe noch keinen entdeckt. Aber: Der Wochenmarkt in Mainz ist so etwas wie „Tante Emma“. In Dutzendfacher Ausfertigung. Nicht nur, dass Frau Stahl (Gemüse) eine fast emotionale Bindung zu ihren Kunden hat – sie bindet mit dieser Emotionalität ihre Kunden. Dauerhaft. Mit Freundlichkeit, super Qualität, immer mit guten Tipps ohne dumme Sprüche.

    Ein Beispiel: Früher ein Kg. Kartoffeln bei Real gekauft – nicht immer, aber sehr, sehr oft 50% weggeworfen (innen schwarz, verfault). Gleicher Preis wie bei Stahl auf dem Wochenmarkt, aber: 0% Schwund. Spreewaldgurken, Hähnchen, Schinken, Schnitzel: Auf dem Wochenmarkt bei den kleinen „Tante Emmas“ alles frisch. Manchmal zahlt man den gleichen Preis wie bei Real & Co. , manchmal etwas mehr … aber nicht wesentlich. Ich kann mich an kein einziges, auch noch so belangloses, Gespräch mit anderen Kunden im Supermarkt erinnern. An viele Gespräche auf dem Mainzer Wochenmarkt sehr wohl. Die „Likes“ und „Freunde“ vom Wochenmarkt sind mir lieber als die von FB oder Twitter.

    Mehr dazu auf meiner HP unter http://www.foto-macher.com/die-zeit-das-menue

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