eCommerce Trends Weihnachten 2011

Es ist Samstag Nachmittag an einem Adventswochenende. Ich stehe bei Spielemax in der Kassenschlange – in einer Kassenschlange von vieren. Sie ist lang. Vor meinem geistigen Auge erscheint ein Schild, bekannt aus Vergnügungsparks: “Wartezeit ab hier: 60 Minuten”. Die Gänge sind eng, ich werde paketbeladen immer wieder zu Seite gedrängt. Draußen im Cafe nebenan wartet meine Frau mit einem Latte Macchiato auf mich. Der ist jetzt wahrscheinlich schon kalt. Warum tue ich mir das an? Diese Frage stellen sich dieses Jahr viele Menschen und dies spiegelt sich auch in den Marktzahlen zum eCommerce wieder. Ich recherchiere, während ich in der Warteschlange langsam nach vorne rutsche.

“Warum kaufen Sie Weihnachtsgeschenke lieber im Internet als in normalen Geschäften?” lautet die Frage von Yahoo! in der Weihnachtsstudie 2011. 43% der Befragten schätzen die “Lieferung nach Hause”, 42% finden online shopping weniger anstrengend und immerhin 30% bringen diese Dinge auf den Punkt: “Warteschlangen vermeiden”. Diese Menschen sprechen mir aus der Seele. Wollen wir mal hoffen, dass diese Leute nicht alle vor mir in der Schlange stehen…

Die Unternehmensberatung Ernst & Young hat herausgefunden, dass auch die älteren Konsumenten (sog. Best Ager) immer mehr zum Online-Handel tendieren. So geben die über 66 Jahren alten Befragten an, dass sie in diesem Jahr bis zu 33% mehr Geld im eCommerce ausgeben möchten als 2010. Nicht verschweigen sollte man aber das geringe Ausgangsniveau von durchschnittlich 12 EUR im letzten Jahr auf 16 EUR in diesem Jahr.
Nachdem nun die Standardfakten (“Wo kaufen Sie, wann kaufen Sie?”) auf dem Tisch liegen, komme ich zu den interessanten Trends des Jahres: Mobile Commerce. Quasi in der Warteschlange stehend kann ich meine Einkäufe auch über das Smartphone tätigen. Ich fange gleich mal an und scanne den Barcode der Duplo-Feuerwehr. Et voila, online würde ich nochmal 10% sparen. Ich lege den Karton dezent in ein Regal direkt an der Warteschlange. Nun muss ich nur noch wegen eines Teils anstehen.
eCommerce goes Mobile
Google geht in einer internen Studie (gemeinsam mit Ipsos und dem BVDW durchgeführt) davon aus, dass der Anteil der mobilen Suche an Weihnachtsbegriffen von ca. 4% auf 11% dieses Jahr steigen wird. Weiterhin schätzt der Suchmaschinen-Gigant, dass 44% aller Anfragen zu “Last-Minute-Geschenken” und Filialsuchen von Smartphones aus durchgeführt werden. Es fehlt eigentlich nur noch die App “Schlange-Finder”, um sich in die jeweils längste Warteschlange der Stadt einzureihen. ” Das wäre ein toller Crowd-Service”, wie ich mir denke, während die Leute an mir vorbeidrängeln, um sich in die Schlange zu stellen. Fakt bleibt aber wohl, dass mobile Suchanfragen auf ca. 16% der Smartphones direkt zu einem Kaufabschluß führen. Weitere 33% der Nutzer, die mobil gesucht haben, gehen dann an ihren Desktop PC, um das Produkt zu kaufen und immerhin 16% stellen sich in die Schlange am POS. Diese Erkenntnis ist wichtig auch für diejenigen, die bisher keinen Mobile Shop haben. Mobile Werbung kann auch POS und Desktop PC Umsätze beflügeln. Wer selbst einmal ein wenig recherchieren möchte, kann unter Our Mobile Planet einige Ipsos-Daten eigenständig kombinieren und als Charts ausgeben lassen. Diese lassen sich auch als Excel-Datei herunterladen.
Ich bin mittlerweile an der Reihe und bezahle mein Kleinteil für 2,99 EUR (20 Minuten Wartezeit in der Schlange). Vielleicht hat das Cafe um die Ecke, in dem mein mittlerweile kalter Latte Macchiato wartet, auch eine Mikrowelle (online) gekauft. Dann kann ich den Kaffee wieder aufwärmen.

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