Please rob me oder der Sinn und Unsinn von Foursquare & Co.

Welchen tieferen Sinn hat es, sich bei Diensten wie Foursquare anzumelden und dann regelmäßig seine Position der Umwelt mitzuteilen?
Auf der einen Seite kauft man sich Zeitschaltuhren und lässt das Licht an, wenn man das Haus für eine Reise verlässt. Die Nachbarn werden gebeten, regelmäßig nach dem Rechten zu schauen und den Briefkasten zu leeren. Alles, damit das verlassene Haus einen weiterhin bewohnten Eindruck macht. Und warum das ganze? Klar, damit Einbrecher nicht auf die Idee kommen, das es hier einfach was zu holen gibt. Auf der anderen Seite haben vielleicht genau diese Leute mit den Zeitschaltuhren auch Smartphones, auf denen Foursquare, Gowalla, Facebook und andere Dienste installiert sind, mit denen man seinen „Freunden“ (und möglicherweise der Öffentlichkeit) mitteilt, wo man sich nun gerade aufhält.

Manche Menschen machen das unbewusst – z.B. wenn sie Fotos vom hoteleigenen Frühstücksbuffet posten. Andere brüsten sich damit aktiv, dass sie gerade z.B. beim Hautarzt einchecken. Im letzteren Fall will sich mir persönlich der Nutzen für die Umwelt nicht erschließen. Was habe ich davon, dass mir jemand mitteilt, dass er gerade im Untersuchungsgefängnis Vapiano „eingecheckt“ hat? Noch absurder: man kann dadurch sogar der „Bürgermeister“ (mayor) von einem Ort werden. Ist wohl nur ehrenamtlich gemeint, denn ich glaube nicht, dass beispielsweise Oberbürgermeister Schwandner in Oldenburg einfach an den nächsten Foursquare Nutzer seine Kompetenzen abtreten wird. Und welchen Wert hat es, der Mayor von „Treffen der AA“ zu sein?
Wie auch immer die Motivation der Nutzer sein mag, die Aussage von öffentlichen Location based Services ist: „Ich bin derzeit nicht zu Hause.“ oder mit anderen Worten: Please rob me!  Die Zeitung „Die Welt“ berichtet über eine Studie unter britischen Einbrechern, die mittlerweile Dienste wie Facebook oder Foursquare nutzen, um potentielle Opfer zu finden. Die Website pleaserobme.com greift die Problematik auf satirische Art auf und bietet die Möglichkeit, gleich nach Twitternutzern zu suchen, die sich mit Foursquare woanders eingeloggt haben.

Aber auch, wer möglicherweise damit kein Problem hat, ausgeplündert zu werden – sei es weil es nichts zu holen gibt oder weil man dann mal endlich auch nicht-virtuellen Besuch erhält – sollte sich fragen, ob es sinnvoll ist, ein komplettes Bewegungsprofil für jedermann zugänglich zu speichern. Ich persönlich habe sogar schon von Leuten gelesen, die auf diesem Wege genaue Orte und Zeiten von Kita-Besuchen des eigenen Kindes preisgegeben haben, den Namen des Kindes inklusive. Da braucht es nicht viel Phantasie, auf was für strafwürdige Gedanken der ein oder andere Zeitgenosse kommen mag.
Letztlich muss natürlich jeder selbst wissen, wie er mit solchen Location Based Services umgeht. Ich für mich persönlich sehe jedenfalls keinen großen Mehrwert in der wahllosen Preisgabe meines Aufenthaltsorts. Das ahnen wohl auch die Anbieter selbst und versuchen mit Kooperationen den Mehrwert nun nachträglich herzustellen. Foursquare kooperiert mittlerweile mit dem Collective Buying Anbieter Groupon. So können Leute, die über Foursquare in einen Ort einchecken von besonderen Rabatten profitieren. Das Prinzip ist letztlich wie bei Payback und anderen auch: Für ein paar Cent Einkaufsvorteil gibt man etwas von seiner Privatssphäre preis.

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