„Das ganze war filmreif“: Interview mit dem UV-Licht Fotografen Beo Beyond

Der in Barcelona lebende Fotograf Beo Beyond hat sich in seiner Fotografie auf die Inszenierung von fluoreszierenden Materialien, Kostümen und Schwarzlicht spezialisiert. Heraus kommen wunderbare Fotos von Menschen in außergewöhnlichen Farben und Perspektiven. Ich habe Beo zu seinem Schaffen ein paar Fragen gestellt.

Wie bist du auf die Idee gekommen, mit Schwarzlicht zu arbeiten?
1997 lernte ich auf einer Messe den Industrie-Designer Rolf Bender kennen, der fluoreszierenden Materialien entwickelt. Ich bekam von ihm diese außergewöhnlichen Leucht-Kunststoffe in den verschiedensten Formen für Fotos gestellt. Meine Arbeiten gefallen ihm so gut dass sich dieser Kontakt bis heute hält.

Wie gehst du bei der Inszenierung deiner Bilder vor?
Ich halte viele Ideen vorher fest, mache mir also Notizen und Skizzen. Vor allem wenn ich mit Models arbeite ist es gut zu wissen, was man vorhat. Da bleibt immer noch jede Menge Raum für Improvisation und spontane Ideen. Für die technische Seite mache ich mir eine Checklist.

Was war dein bisher interessantestes Motiv bzw. Auftrag?
2005 bekam ich das Angebot, eine Show mit meinen fluoreszierenden Kostümen zu inszenieren. Und zwar für ein Lokal in exquisiter Lage, am Yachthafen von Palma de Mallorca. Es handelte sich um einen Striptease-Club, bzw. ein Bordell für vermögende Gäste. Ich bin eigentlich immer offen für außergewöhnliche Ideen, also nahm ich das Angebot an und entwickelte mit zwei russischen Tänzerinnen des Lokals eine SM-Show. Die fluoreszierenden Kostüme haben wir mit leuchtenden Fesseln und Peitschen kombiniert. Die Show war ein ziemlicher Spaß für die Tänzerinnen und das Publikum und eine gelungene Abwechslung zum Striptease. Das spektakuläre Finale kam dann anders als geplant: Das Establishment wurde plötzlich Schauplatz einer Polizei-Razzia. Die Akteure meiner Show wurden festgenommen. Das Ganze war filmreif. Die spanischen Behörden haben mir nachher vorgeworfen, ich wäre mit Prostitution, Beschäftigung illegaler Einwanderer und Steuerhinterziehung verwickelt. Außerdem wurden mir weitere Aktivitäten auf der Insel untersagt. Meine künstlerische Arbeit bringt halt immer wieder unerwartete Resultate hervor und ich bereue nur, dass ich keine Video-Kamera dabei hatte.

Für welche Zwecke setzen deine Kunden die Bilder ein?
Die Firma des Designers Rolf Bender setzt meine Fotos auf ihrer Website depro.com ein, als Beispiel für mögliche Verwendungen der Leucht-Kunststoffe. Ansonsten gibt es in der Werbung immer Bedarf nach ausgefallenen Motiven und da hat z.B. das Modelabel DIESEL meine Fotos in einer Online-Kampagne eingesetzt. Darüber hinaus arbeite ich auch mit Malerei, bzw. mit Mixed-Media-Techniken, bei denen ich Fotografie und Malerei mit fluoreszierenden Farben verbinde. Das sind meistens großformatige Bilder, also Unikate, die ich in Kunst-Galerien ausstelle, aber auch in Diskotheken. Es sind also sowohl Privatleute wie auch Lokale mit Nachtleben, die sich für meine Arbeiten interessieren.

Beo, vielen Dank für das Interview.

Alle Fotos von Beo Beyond (CC Lizenz). Weitere Fotos und Werke kann man sich unter auf der Website von Beo Beyond ansehen

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