Web 2.0 Kongress: Summary Tag 2

Am zweiten Tag des Web 2.0 Kongresses im Frankfurter Sheraton Hotel am Flughafen ging es im Wesentlichen um weitere Showcases aus etablierten Unternehmen. Interessant war die Frage “Was ist Buzz?” Hier konnte ein interessanter Lösungsansatz dargestellt werden. Außerdem: Content selber hosten oder Dritten wie z.B. YouTube anvertrauen? Rechtliche Fallstricke im Social Media und Video als der neue Megatrend im Social Web.

Was ist eigentlich “Buzz”?

Dr. Peter Gentsch sprach während seiner Eröffnungsrede vom “Buzz” einer Kampagne oder Aktion. Auf meine Nachfrage, wie sich den Buzz definiere, kamen wir in eine gute kurze Diskussion. Das Ergebnis: “Buzz” lässt sich nicht in absoluten Werten und Gesprächsaufkommen werten. Vielmehr ist “Buzz” eine relative Größe, eine prozentuale Abweichung vom Grundrauschen. Der BVDW ist nach Aussagen Gentschs bereits dabei, “Buzz” einheitlich zu definieren. Das dürfte auch die Vergleichbarkeit von verschiedenen Social Media Monitoring Lösungen erhöhen, wenn alle die gleiche Metrik zugrunde legen. Hier sieht man, wie das Messen von “weichen” Faktoren noch in den Kinderschuhen steckt.

Content selber hosten oder auf Social Networks laden?

Eine interessante Diskussion, die während der Fachbeiträge aufkam war die Frage, ob man durch die Social Media Aktivitäten eine eigene Webpräsenz überhaupt noch notwendig wäre. Hierzu gab es unterschiedliche Meinungen. Die US-amerikanische Firma Skittles geht hier einen radikalen Weg und hat kaum noch eigene Inhalte auf der Domain, sondern verweist nur noch auf Inhalte aus Social Networks (Facebook, Twitter, YouTube etc.). Die aktuelle Website ist nur noch ein kontinuierlicher Stream aus Social Media Beiträgen, welcher sich beim Runterscrollen immer mehr in die Vergangenheit bezieht.

So weit würden die meisten Unternehmen sicherlich nicht gehen und die Frage ist ja auch, inwieweit man sich hier in eine Abhängigkeit von den Social Networks begibt, die im Ernstfall den Wegfall der Geschäftsgrundlage bedeuten würde.

Aus meiner Sicht kann eine sinnvolle Strategie nur eine Mischung sein. Der eigene Content sollte m.E. nach Möglichkeit auf den eigenen Servern, auf der eigenen Site verbleiben. Insbesondere dann, wenn es um Kundendaten oder Kundenbeispiele oder Fotos etc. geht. Eine Ausnahme ist das Thema Video: Videos auf YouTube zu hosten hat zwei wesentliche Vorteile:

  • Vorteil 1: YouTube bietet bereits zahlreiche Social Media Funktionen (Embedding, Commenting etc.) und übernimmt darüber hinaus auch noch das Hosting der Video-Dateien.
  • Vorteil 2: Der Video-Content, der auf YouTube eingestellt wird, wird im Zweifel höher in den Suchmaschinen gerankt als der Video-Content auf der eigenen Site. So entsteht auch ein nicht zu vernachlässigender SEO-Effekt.

Jedoch bin ich der festen Überzeugung, dass die Social Network Funktionen, um diesen Content zu teilen, zu erstellen oder kommentieren nicht in einer proprietären Lösung entwickelt werden sollten. Dies fängt bei der Registrierung an. Viele User haben bereits ein Facebook- oder Google-Konto, warum sollte man also diese Möglichkeit des Single-Sign-Ons nicht nutzen? Das ist auch für diese User bequem.

Singel Sign On mit Facebook auf Groupon

Es geht weiter beim Teilen und Kommentieren. Meine Freunde sind auf Facebook, also muss ich meine Aktivitäten in einer Community auch dort teilen können. Viele Unternehmen tragen dem mittlerweile Rechnung, in dem sie auf jeder Seite “Gefällt mir” oder “Empfehlen” Buttons einbinden. Allen voran die gr0ßen Nachrichtenportale, die natürlich davon leben, wenn deren Inhalt von vielen Menschen gelesen wird. Das geht weiter, in dem man die Kommentare-Funktion konsequent auf Facebook ausgliedert.

Authentisch handeln – Sean MacNiven über Social Media in Unternehmen

Sean MacNiven von SAP (Twitteraccount @RogueDuck) präsentierte “Enterprise 2.0 bei SAP”. Darüber hatte ich (fälschlicherweise) schon im Blogpost zum ersten Kongresstag berichtet. Wer allerdings noch einen Leitsatz für sein Handeln (auch in Social Media) sucht, hier ist er (Quelle: Sean MacNiven):

“Is it true? Is it good? Is it useful?” – Alle drei Fragen mit “Ja” beantwortet? Dann handeln.

Rechtliche Tragweite von Social Media

Christian Solmecke referierte über “die rechtlichen Fallstricke in Sozialen Netzen”. Eine wichtige Frage war dabei die des Datenschutzes bei der Nutzung eines Like-Buttons auf der eigenen Webpage. Hier werden bereits beim Aufruf der Seite Daten an Facebook übertragen, so dass die Nutzung der einzelnen Seite bereits einem Nutzer von Facebook zugeordnet werden kann. Dieser Umstand ist in den aktuellen Datenschutzbestimmungen der Website unbedingt anzugeben. Eine Musterdatenschutzerklärung zu diesem Sachverhalt stellt Christian Solmecke auf seiner Website kostenlos unter Nennung der Quelle zur Verfügung.

Weiterhin müssen sich Unternehmen darüber bewußt sein, dass sie mit dem Upload von beispielsweise Videos umfangreiche Nutzungsrechte an die Plattform abgetreten werden. Bei YouTube geht das sogar so weit, dass diese Nutzungsrechte per AGBs auch nicht widerruflich sind. Von daher sollte jedes Unternehmen für sich auch die rechtlichen Risiken und Chancen abwägen, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Für Blogger und Websites, die regelmäßig YouTube Videos in ihre Beiträge einbetten (“embedding”) ist die Frage, ob man für Urheberrechtsverstöße haftet. Dies könne, so Solmecke, nach derzeitiger Rechtslage nur dann der Fall sein, wenn man als Einbettender von der Urheberrechtsverletzung wisse. Dann würde einen die Mitstörerhaftung treffen. Ansonsten: Wer keine Kenntnis habe, hafte auch nicht.

Harlinghausen: “Laß’ uns mal was mit Facebook machen”

Simon Harlinghausen von Akom360 hat einen sehr guten Vortrag zum Thema Facebook gehalten. Die Kernaussagen im Wesentlichen:

  • Eine erfolgreiche Social Media Strategie bemesse sich nicht alleine an der Anzahl der Fans, Follower etc. Vielmehr müssen in Bezug auf die Marke positive Sentiments und relevante Dialoge entstehen, die die eigene Marke / das eigene Produkt positiv aufladen. So könne eine virale Verbreitung über Mund-zu-Mund-Propaganda entstehen.
  • Wichtig sei dabei eine klare Social Media Strategie mit zuvor definierten Zielen und einer realistischen Aufwandsabschätzung.
  • Social Media macht man nicht nebenbei. Nur ein kontinuierlicher Dialog und ein rasches Beantworten von Fragen und Kritiken führe zu nachhaltig positiven Sentiments. Dies hat m.E. nach klare Implikationen für die Organisations- und Personalplanung in einem Unternehmen. Sobald die eigenen Social Media Aktivitäten eine gewisse “kritische Masse” erreicht haben, wird es notwendig, Prozesse im Unternehmen zwischen den Abteilungen zu etablieren und ggf. einen Community Manager einzustellen, der die Gesamtkoordination der Social Media Aktivititäten übernimmt. Ansonsten droht die Gefahr, dass die Social Media Aktivitäten sich verselbständigen, Anfragen nicht bedient werden, Unmut entsteht und so das Markenbild und die Reputation nachhaltig beschädigt wird.
  • Die wesentlichen Trends in Social Media, so Simon Harlinghausen, seien “So Lo Mo”: Social, Local, Mobile. Dazu gehören z.B. neue Funktionen wie Local Deals (Groupon lässt grüssen) oder lokale Communities, die sich der Social Media Funktionalitäten von Facebook & Co. bedienten.

Video als neuer Killeranwendung?

Markus Hinz, verantwortlich für den Automotive-Sektor bei Google, stellte sehr interessante Marktzahlen von YouTube vor. Die Keyfacts auf einen Blick:

  • Über 20 Mio. Unique User auf YouTube pro Monat in Deutschland.
  • Die Altersstruktur ist in den Segmenten der 20 bis 49-jährigen sehr gleichverteilt. Auch die 40- bis 49-jährigen nutzen YouTube sehr regelmäßig.
  • Der Frauenanteil liegt bei ca. 45%

Auf YouTube wird jedes 2. Video, so Hinz, bewertet. Weitere Funktionen, die sehr häufig genutzt werden:

  • Bewerten
  • Favorisieren
  • Teilen
  • Kommentieren
  • Hochladen von Videos

Interessant war die Aussage, dass insbesondere bei komplexen Produkten wie im Automotivebereich die Conversion Rates mit Hilfe von Video signifikant gesteigert werden können. Dies dürfte in anderen Branchen, in denen der Informationsbedarf hoch ist, ebenso sein. Zu denken wäre hier an die Telekommunikationsbranche, Reisebranche etc.

Fazit

Die Vorträge des Web 2.0 Kongresses waren zu 90% sehr gut und haben insbesondere die Unternehmensseite beleuchtet. Social Media ist in allen großen bzw. etablierten Unternehmen angekommen und auf dem Weg zur Institutionalisierung. Der kleine Rahmen des Kongresses hat sehr gut dazu beigetragen, Networking zu betreiben.

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